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„Sandmännchen“ – der heimliche Traumberuf

Sandmännchen

Wie ihr meiner Über mich – Seite entnehmen könnt, bezeichne ich mich gerne selbst als digitale Working Mum. Doch vor meiner Entscheidung zu diesem Schritt bin ich viele Berufswünsche und -möglichkeiten durchgegangen: Zahnfee, Königin, Tochter… Aber ein Beruf hat mich schon lange besonders fasziniert. Abend für Abend schaue ich ihm gemeinsam mit meiner Tochter bei der Arbeit zu: Dem Sandmännchen. Ich beneide es um die Vielseitigkeit und den Abwechslungsreichtum seiner Aufgaben. Es kommt so viel rum, bereist die ganze Welt (und zwischendurch sogar andere Planeten). Lernt täglich neue Leute kennen. Und es hat im Rahmen seiner Ausbildung scheinbar Führerscheine für sämtliche Fortbewegungsmittel und Fahrzeuge gemacht, die man sich nur vorstellen kann: Traktor, Straßenbahn, Segelboot, Heißluftballon, UFO uvm. Von dem enormen Fachwissen über Sand im Allgemeinen und Schlafsand im Speziellen will ich gar nicht erst anfangen…

Auf den ersten Blick also ein absoluter Traumjob! Außerdem finde ich, es ist an der Zeit, dass dieser männerdominierte Job nun endlich mal an eine Frau gehen sollte! Jawohl!

Anforderungen und Vereinbarkeit

Hochmotiviert wollte ich mich also schon an die Bewerbung setzen, als ich doch nochmal ins Grübeln kam: Welche Anforderungen werden in diesem Beruf eigentlich genau an mich gestellt? Und: Ist das für mich als Mutter überhaupt so einfach machbar?

Schon beim Stellenprofil wurde mir mulmig:

  • 90 % (!) Reisetätigkeit
  • feste Arbeitszeiten, überwiegend abends + An- und Abreise
  • hohe Flexibilität
  • 7-Tage-Woche à 80 Stunden
  • Kontaktfreude, Kommunikationstalent
  • alle Sprachen dieser Welt + marsianisch o.Ä. (von den Tiersprachen mal ganz abgesehen)
  • großes Geschick im Bedienen von Geräten, Maschinen, Fahrzeugen
  • absolute Schwindelfreiheit, keine Flugangst, keine Phobien, keine Vorurteile
  • außergewöhnlich gute körperliche Fitness (für etwaige Weltraumflüge)

Einiges davon kann man gut und mehr oder weniger schnell erlernen, z.B. die Sprachen, die Führerscheine etc. Und es gibt sicherlich eine Einarbeitungszeit.

Doch 90 % Reiseanteil sind für eine Mutter von bald 2 Kindern echt viel, d.h. 72 von 80 Stunden unterwegs. Teilzeit? Echt schwierig, wie soll ich denn da schon allein von A nach B kommen? Oder nur 3 Tage die Woche? Aber wie sollen die Kinder dieser Welt (und des ganzen Universums) denn an den anderen Tagen einschlafen?

Arbeitsausfall wegen krankem Kind? Pustekuchen! Sollen die Kinder anderer Eltern (und Außerirdischer) dann wach bleiben, bis mein Kind wieder gesund ist?

Flexible Arbeitszeiten? Auch nicht drin, schließlich sollen die Kinder (& Co) abends zwischen 18 und 20 Uhr schlafen, sonst kommen Beschwerden von gestressten Eltern ins Haus (und ich weiß nicht, wie friedlich die marsianischen Eltern tatsächlich gestimmt sind).

Sandmännchen-Fazit

Ich kam also zu dem Schluss, dass „Sandmännchen“ als Beruf für mich nicht in Frage kommt. Ich bräuchte Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder bis weit über 20 Uhr hinaus, Und je nachdem, wo es an dem Abend hingeht wegen der langen Anreise auch schon weit vor 6 Uhr. Oder mein adonisgleicher Mann müsste seinen Job fast komplett an den Nagel hängen, um die Kinder zu betreuen und um mehr im Haushalt tun zu können, als den Müll rauszubringen. Und an Freizeit bzw. Familienzeit wäre gar nicht erst zu denken (außer ich treffe bei der Arbeit einen Außerirdischen, der das Beamen endlich zur Alltagstauglichkeit revolutioniert hat).

Was ich damit sagen möchte

Es gibt noch mehr (möglicherweise etwas weniger fiktive) Berufe als den des „Sandmännchen“, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie (nach meinen Vorstellungen) nicht wirklich möglich machen. Einfach, weil Teilzeit, flexible Arbeitszeiten oder andere für Familien wichtige Kriterien nicht machbar sind. Daher finde ich es wichtig, dass Familien sich genau überlegen, wie sie es mit der Berufstätigkeit beider oder auch nur eines Elternteils handhaben wollen, was ihnen wichtig ist und welche Prioritäten sie setzen wollen. Mein Hauptaugenmerk liegt (momentan) auf der Familie und möglichst viel Zeit zu Hause verbringen zu können. Daher habe ich mich für das Leben als digitale Working Mum entschieden.